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Bildquelle: Werksarchiv STEIFF " Die Drachenmacherei "


Der Roloplan-Drachen wurde von Richard Steiff, dem Neffen der Margarete Steiff, im Jahr 1908 entwickelt.

 

Richard, so kann man in verschiedenen Niederschriften nachlesen, war der Fliegerei sehr zugetan. Er verfolgte mit Bewunderung und großem Interesse die ersten Flugversuche von motorgetriebenen Flugmaschinen und war begeistert von der Arbeit von Graf Zeppelin am nahegelegenen Bodensee. Und er verwirklichte seine Ideen auf seine Art. Er befasste sich lange mit dem Vogelflug und nach vielen Versuchen entstand dann eben im Jahr 1908 ein zweiflügliger, schwanzloser Drachen. Seine Tante Margarete  konnte seine ersten Konstruktionen noch kurz vor ihrem Tod im Frühjahr 1909 bewundern.

 

Der Drachen bekam die Bezeichnung „Roloplan“, und im August  1909 erhielt die Firma Steiff das Warenzeichen „Roloplan“ für Drachenflieger, Luftfahrzeuge aller Art, Aeroplane, Luftballons, Gleitflieger und Spieldrachen  aus Stoff oder Papier zuerkannt.

Mit einem Foto eines blau/gelben, 180 cm großen, zweiflüglichen Drachens mit Tonkinstäben wurde er als Geschmacksmuster registriert.

 

Der Drachen benötigt zu seinem äußerst stabilen Flugverhalten weder  eine Stabilisierungsfläche noch einen Drachenschwanz. Er gewinnt bei Flugveranstaltungen weltweit viele erste Preise für erreichte Höhe, Höhenfotografie, Signalisation…??? und für größte erreichte Entfernung…???  Ferner weitere Auszeichnungen in Tragkraft und Stabilität.

 

1911 wird der Roloplan in einer Preisliste als „der beste existierende Drachenflieger der Gegenwart“ bezeichnet und so wird er zum absoluten Kassenschlager der Firma Steiff.

 

Durch die Weiterentwicklung der Flugzeuge und der Erfolge von Graf Zeppelin stößt Richard Steiff mit seinem Drachen in eine plötzlich populär werdende Marktlücke. Ab 1909 verkaufte Steiff dieses Drachenmodell mit zwei und drei Segelflächen. Er ist robust gebaut, kann mit seinen Bambus- oder Tonkinstäben schnell auf- und wieder abgebaut und in einem dazugehörigen Stoffbeutel verstaut werden. In den frühen Katalogen und Werbeanzeigen der Firma Steiff wird er für „Sport und Spiel“ angeboten.

 

Vor dem zweiten Weltkrieg wurde der Drachen mit zwei Segelflächen in den Größen 80/2, 90/2, 100/2, 120/2, 150/2, 180/2, 210/2, 240/2, 270/2, 300/2, 330/2 und 360/2 angeboten. Die Drachen mit drei Segelflächen begannen erst mit der Größe  180/3, allerdings gab es auch einen 720/2, der allerdings wegen seiner ernormen Zugkräfte nicht in die Produktion einging.

 

Weitere Zahlen zu diesen Drachen entnehmen sie bitte der Homepage von Daniel Hentschel.

http://www.teddybaer-antik.de  


Der Roloplan wird jedoch nicht nur als Spiel- und Sportgerät verwendet, er wird auch gerne von Aeronauten für meteorologische Zwecke, wie Erkundung von Luftströmungen, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und anderen Messungen in der Atmosphäre genutzt. Der Zug dieser Drachen ist so stark, dass die großen Drachen mit einer Verankerung am Boden gehalten werden müssen.

Der Drachen ist so konstruiert, dass er auch bei einem mäßigen Wind  Höhen von mehr als 1000 Metern erreichen kann. Dabei steht er völlig bewegungslos am Himmel.

 

Dieses neue Spiel- und Sportgerät war ein so großer Erfolg, dass auf dem Firmengelände eine eigene Abteilung mit Werkstatt eingerichtet werden musste.

 

Auf den riesigen Wiesenflächen rund um Giengen setzte Richard Steiff die großen Modelle für unterschiedliche Experimente ein. So ließ er sich z.B. auf einer dafür konstruierten Haltevorrichtung an der Drachenschnur von zwei 300/2er Roloplanen in die Höhe tragen. Auch Kinder konnten sich in einem Korb die Welt von oben anschauen.




 

Für die Fotografie  aus der Luft entwickelte Richard Steiff das „Steiff-Stativ“, welches die Kamera hielt. So konnte mittels eines Seilzuges eine Aufnahme nach der anderen gemacht werden. Mit dieser Entwicklung schreibt er ein weiters Mal  Zeitgeschichte und Fortschritt. Zwar war die Technik der Luftaufnahmen schon 1856 von dem französischen Fotografen Nadar zur Perfektion entwickelt worden, aber man musste sich dazu einen Ballonflug  leisten können.

Aus diesem zeit- und kostspieligen Verfahren machte nun Richard Steiff eine relativ einfache und preiswerte Methode. Das Stativ kostete 21,00 Mark (entspricht heute etwa 120,00 Euro) und ein geeigneter Drachen zwischen 10,00 und 33,00 Mark (entspricht heute etwa 55,00 bis 180,00 Euro).




 

Richard Steiff nutzte jede Gelegenheit seinen ungewöhnlichen „Flieger“ zu präsentieren und nahm an sehr vielen Wettbewerben teil, wo er, wie schon erwähnt, Preise ohne Ende sammelte.




 

Ein weiteres Feld war die Herstellung von Reklamedrachen, wobei beide Segel oft die Namen von Geschäftsleuten und deren Produkten aufgedruckt bekamen.

 

Auch das deutsche Militär bestellte zahlreiche  dieser Drachen in 3,60 Metern Größe mit einer Tagkraft von ca. 30 kg. Diese Drachen wurden aus hellem Aeroplanstoff hergestellt. Dieser Typ war bei vielen Truppenteilen als Zielobjekt in Gebrauch.




 

Die Produktion aller Drachen wurde dann im Jahr 1943 total eingestellt.

 

Nach dem 2. Weltkrieg erwachte der Roloplan 1950 noch einmal zum Leben, jedoch nur in den Größen 90/2, 100/2 und 120/2. Während die Vorkriegsdrachen mit drei verschiedenen Stofffarben (gelb/rot/blau) in allen erdenklichen Variationen hergestellt wurden, waren alle Nachkriegsdrachen gelb/rot, wobei das obere Segel immer gelb war.

 

Im Jahr 1968 wurde seitens der Firma Steiff die Produktion dieses einstmals riesigen Kassenschlagers total eingestellt, da der Markt von billigen Foliendrachen überschwemmt wurde.

 

2006 gab es dann nochmals eine Replik des 150/2 Roloplans in einer tausender Auflage, die aber wegen mangelnder Werbung seitens der Firma Steiff und einer nicht dem Original entsprechenden Verarbeitung zu keinem Erfolg bei Steiff wurde. Noch 5 Jahre nach der Präsentation gibt es zahlreiche dieser „Repliken“ im Handel.